Führung und Entwicklung
Karriere kann man planen,
Führung muss man wollen.
Kirsten Wache ist Business Coach, Wirtschaftsmediatorin und Beraterin mit über 25 Jahren Praxiserfahrung. Von Führung über Zusammenarbeit bis zur individuellen Entwicklung kennt sie die Themen, die Teams und Organisationen in allen Branchen begleiten und herausfordern.
Viele Organisationen erwarten heute mehr Führung denn je
Gleichzeitig wollen immer weniger Menschen Führungsverantwortung übernehmen. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, dass wir genauer hinschauen müssen: Was bedeutet Führung heute eigentlich, und warum sollte man sich bewusst dafür entscheiden?
Aktuelle Zahlen belegen, dass diese Frage berechtigt ist. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass sich nur 14 Prozent der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung klar vorstellen können, eine Führungsrolle zu übernehmen. 43 Prozent schließen Führungsverantwortung für sich aus. Als Gründe werden vor allem hohe Verantwortung, Arbeitsbelastung und eine schlechtere Vereinbarkeit mit dem Privatleben genannt.
schließen Führungsverantwortung für sich aus
der Führungskräfte berichten von gestiegenem Stress
haben bereits überlegt, ihre Führungsrolle abzugeben
Auch der Global Leadership Forecast 2025 zeichnet ein ähnliches Bild. 71 Prozent der Führungskräfte berichten von gestiegenem Stress. Von diesen Führungskräften haben 40 Prozent bereits darüber nachgedacht, ihre Führungsrolle wieder aufzugeben, um ihr Wohlbefinden zu schützen. Das sind keine Randnotizen. Das ist ein Signal.
Gleichzeitig geben nur rund 30 Prozent der Führungskräfte an, ausreichend Zeit zu haben, um ihre Aufgaben wirklich gut zu erfüllen. Der Anspruch, gute Führung zu leisten, ist vielerorts vorhanden. Doch die Realität lässt häufig wenig Raum dafür.
Natürlich spielen äußere Faktoren eine Rolle. Wirtschaftlicher Druck, geopolitische Unsicherheiten und technologische Umbrüche prägen den Alltag vieler Organisationen. Auch Künstliche Intelligenz wird unsere Arbeitswelt weiter verändern, daran besteht kein Zweifel.
Neben all diesen strukturellen Einflüssen gibt es jedoch eine Frage, die jede Führungskraft für sich selbst beantworten sollte:
Auch der Global Leadership Forecast 2025 zeichnet ein ähnliches Bild. 71 Prozent der Führungskräfte berichten von gestiegenem Stress. Von diesen Führungskräften haben 40 Prozent bereits darüber nachgedacht, ihre Führungsrolle wieder aufzugeben, um ihr Wohlbefinden zu schützen. Das sind keine Randnotizen. Das ist ein Signal.
Gleichzeitig geben nur rund 30 Prozent der Führungskräfte an, ausreichend Zeit zu haben, um ihre Aufgaben wirklich gut zu erfüllen. Der Anspruch, gute Führung zu leisten, ist vielerorts vorhanden. Doch die Realität lässt häufig wenig Raum dafür.
Natürlich spielen äußere Faktoren eine Rolle. Wirtschaftlicher Druck, geopolitische Unsicherheiten und technologische Umbrüche prägen den Alltag vieler Organisationen. Auch Künstliche Intelligenz wird unsere Arbeitswelt weiter verändern, daran besteht kein Zweifel.
Neben all diesen strukturellen Einflüssen gibt es jedoch eine Frage, die jede Führungskraft für sich selbst beantworten sollte: Will ich Führungskraft sien? Und wenn ja, warum?
Will ich Führungskraft sein?
Und wenn ja, warum?
Kirsten Wache
Führung ist keine automatische Karrierestufe
In vielen Unternehmen, gerade im deutschen Mittelstand, verläuft Entwicklung noch immer entlang zweier Linien: Fachkarriere oder Führungskarriere. Wer fachlich überzeugt, wird befördert. Und Beförderung bedeutet häufig Teamleitung, Bereichsverantwortung oder Geschäftsführung. Doch fachliche Exzellenz ist nicht automatisch Führungskompetenz.
Vielleicht erkennen Sie sich wieder: Sie waren fachlich sehr stark. Man traute Ihnen Führung zu. Vielleicht gab es auch schlicht keine naheliegende Alternative. „Das wird schon, Sie packen das.“ Und plötzlich standen Sie in Verantwortung für Menschen, ohne wirklich auf diese Rolle vorbereitet worden zu sein. Gab es in diesem Moment eine bewusste Entscheidung? Gab es ein klares Rollenverständnis, ein gutes Onboarding oder einen Mentor? Oder war Führung einfach der nächste logische Schritt?
Führung sollte kein Automatismus sein. Sie ist kein Add-on zur eigentlichen Arbeit, sondern eine eigenständige Aufgabe mit eigenen Anforderungen, eigener Verantwortung und eigener Wirksamkeit.
Was Führung heute wirklich bedeutet
Führung bedeutet heute mehr als Zielvereinbarungen und Ergebnisverantwortung. Sie bedeutet, Orientierung zu geben, Unterschiedlichkeit im Team produktiv zu machen, Konflikte auszuhalten und Entwicklung zu ermöglichen. Gerade weil Künstliche Intelligenz Prozesse effizienter, schneller und analytischer macht, verschiebt sich der Kern von Führung weiter zum Menschlichen. Kreativität, Urteilsvermögen, Empathie, Vertrauen und die Fähigkeit, Potenziale zu entfalten, entstehen nicht im Algorithmus. Sie entstehen im Miteinander.
Führung ist kein Nebenjob. Führung ist ein wesentlicher Teil der Aufgabe. Wer führen will, sollte sich deshalb ehrlich fragen:
- Möchte ich Menschen entwickeln oder vor allem Aufgaben verantworten?
- Bin ich bereit, einen relevanten Teil meiner Arbeitszeit konsequent in Gespräche, Reflexion und Begleitung zu investieren?
- Sehe ich Unterschiedlichkeit im Team als Chance, auch wenn sie anstrengend ist?
Egal, wie die Antwort ausfällt: Eine bewusste Entscheidung ist immer professioneller als ein stilles Hineingleiten in eine Rolle.
Wenn Führung eine bewusste Entscheidung sein soll, dürfen Unternehmen sie nicht dem Zufall überlassen. Menschen sollten nicht automatisch in Führungsverantwortung rutschen, sondern gezielt darauf vorbereitet und in dieser Rolle begleitet werden.
Niemand steigt ohne Übung ins Auto und fährt sicher durch den Stadtverkehr. Niemand leistet ohne Training souverän Erste Hilfe. Warum erwarten wir dann, dass Führung ohne Vorbereitung gelingt?
Es braucht Auswahlkriterien, die über Fachlichkeit hinausgehen. Es braucht Entwicklungsprogramme, Begleitung, Feedback und einen klaren Rahmen. Und es braucht die Offenheit, auch alternative Laufbahnen attraktiv zu machen. Denn nicht jeder hervorragende Experte muss Führungskraft werden. Aber jede Führungskraft sollte diese Rolle wirklich wollen.
Das könnte Sie auch interessieren
Im INterview: Martin Böhm
Prothesen, KI und die Frage, was Technik wirklich für Menschen leisten kann. Ein Gespräch mit Martin Böhm, CxO bei Ottobock
Im Interview: Romik Kelesh & Thomas Teise
Künstliche Intelligenz zwischen Hype, Datenqualität und HR-Profiling
Auffangbecken oder Aufbruch?
Warum Automobilmanager den Weg in die Rüstungsindustrie finden – und was sie dort wirklich brauchen